»Pflanzenfarben können heilend auf den Organismus wirken«
nach Günter Meier, »Pflanzenfarben« ISBN 3-7235-0101-7

Die Pflanzenfarbe ist eine besondere Farbe, allein deswegen, weil sie aus dem Sonnenlicht in Verbindung mit der Erdwirkung entsteht. Dadurch bildet sich prozesshaftes als Metamorphose des „Hell-Dunkels", wodurch Farbe entsteht.
Diese Farben in den Pflanzen, in den Blüten, sind die Prozesse des Sonnenlichtes hier auf Erden. Die Lebendigkeit des Sonnenlichts wird somit aufgefangen, die lebendige Wirkung - das kosmische Licht gibt den Farberscheinungen etwas Aetherisches -, die in der Pflanzenfarbe enthalten ist.
Erdfarben, Mineralfarben und synthetischen Farben fehlt das Äetherische, weil sie in den Erdkräften als Metalle oder Erdöl eingelagert sind. Diese Verhärtung ist spürbar. Obwohl diese Farben eine gewisse Schönheit haben, fehlt ihnen das „Lebendig-Wirk-same".
In früheren Zeiten, bevor es synthetische Farben gab, waren Färbungen nur mit Pflanzenfarben möglich. Heute bedeutet die Verwendung dieses „edlen Materials" ein Setzen von bewußten Qualitäten. Das „Anderssein" dieser Farben ist wohl darin zu sehen, daß jeder Farbton noch Beifarben aus dem Komplementärbereich mitführt. Charaktervolles spürt man, weil jede Farbe eine eigene Grundsubstanz besitzt - während die synthetischen Farbtöne alle aus einer Grundsubstanz entstehen.
Ein Kunstwerk entstand früher aus dem Kultischen, das heißt, der Mensch wurde durch „Qualitäten" gebildet. Die bewußt eingesetzte Pflanzenfarbe gibt Nahrung für die Seele zum Aufbau einer moralsichen Qualität für neues Erleben. Die Farbe wird durchpulst mit einem „Lebendig-Geisigen".
Hinter jedem Farbton steht eine Pflanze, die eine individuelle Beziehung aus dem Kosmischen bringt. Die Pflanzen leben mit uns, solange der Kosmos und die Erde lebendig bleiben. Aus der „Licht-Aura" entstehen „lichtvolle" Farben für das Entstehen einer neuen Kultur.
Eine Pflanze ist im Gegensatz zu Steinen und Mineralien ein Lebewesen. Betrachten wir die Pflanzenfarben aus dieser Sicht, sehen und erleben wir, daß Mineralfarben und Erdfarben nicht Lebewesen sind, ebensowenig wie Erdöl.
Die Pflanzenfarbe ist eine „wirkende Farbe", da im Umgang mit ihr lebendige Prozesse entstehen - ob in der Forschung, der Herstellung oder beim Malen. Nur wenn die Materie das Lichthafte behält und weiterentwickelt, entsteht in all diesen Tätigkeiten Geistigkeit.
nach Günter Meier, »Pflanzenfarben« ISBN 3-7235-0101-7 >>>zur Bildergalerie der Pflanzenfarben
»VOM NICHTS - TUN IN DER KUNST«
»... Und ich weiss heute, so wie ich jetzt arbeitend nichts tue, so entwickelt sich in mir eine noch viel größere Kraft, die mich je länger je mehr in Bereiche führen, und in mir Dimensionen wecken wird, die ich mir nicht einmal vorzustellen gewagt hatte.
Laotse hat genau dies mit dem Nicht-Tun gemeint. Wenn man aufhört, etwas zu wollen und seine Zeit mit Tun voll zu stopfen, kommt man unversehens in die Lage, daß man viel mehr leistet als vorher. Ich habe oben gesagt, daß der Beweger bewegt werden muß, aber dies ist nur möglich, wenn der Beweger möglichst ruhig ist. Wenn er immer im Zustand inneren und äußeren Bewegtseins ist, dann kann er gar nicht empfänglich sein für die Bewegung, die ihn trägt und von der er eigentlich kommt. Wenn im Beweger jedoch Ruhe ist, dann hat die Bewegung des Ganzen die Möglichkeit, im Beweger eine so große Bewegung auszulösen, daß dieser im wörtlichen Sinne zu sich selber hinbewegt wird...«
(aus den Schriften von Emil Schwarz, Kunstschule arsa in Schönenwerd)
»SCHÖNHEIT IST DAS GEHEIMNIS DES LEBENS«
...Wir machen Kunst als etwas, das wir tun müssen, ohne ZU wissen,wie es herauskommt. Wenn es fertig ist, müssen müssen wir sehen, ob es fruchtbar geworden ist. Auch wenn wir der Eingebung Folge leisten, können wir nicht erwarten, daß alle Arbeit gelingt. Ein Künstler ist Jemand, der das Mißlungene erkennen kann.
Wenn du ein Komponist wärst, würdest du nicht erwarten, daß alles, was du spielst, eine Komposition ist. Ebenso ist es in der bildenden Kunst. Es gibt viel Mißlungenes.
Künstlerische Arbeit ist die einzige Arbeit auf der Welt, die nicht materialistisch ist. Jede andere Arbeit trägt zum Wohlergehen und zur Behaglichkeit der Menschen bei. Dies zeigt, daß sich der Künstler nicht für Wohlergehen und Behaglichkeit der Menschen interessiert. Er ist dafür nicht verantwortlich, denn sein Leben führt in eine andere Richtung. Sein Inneres wird sich auf Schönheit und Glück einlassen.
Es ist möglich, an etwas anderem als als an Kunst zu arbeiten und dennoch diesen Geisteszustand zu behalten und sich als Künstler vorwärts zu bewegen. Entscheidend ist das unmaterialistische Interesse...
Komposition ist ein absolutes Geheimnis. Sie wird vom Inneren diktiert. Der Künstler sucht nach bestimmten Klängen oder Linien, die seinem Inneren angenehm erscheinen, und schließlich nach einer Anordnung, die angenehm ist.
Die angenehmen Kompositionen rufen im Betrachter bestimmte Gefühle von Wohlgefallen hervor. Manche Kompositionen sprechen diesen an und manche jenen...
...Der Weg eines Künstlers ist ein ganz besonderer Weg. Es ist ein Weg der Hingabe. Er muß sich seinem Inneren hingeben.
Wenn du in dein Inneres schaust, findest du es mit einer Menge Gedankenmüll bedeckt. Du mußt in ihn eindringen und zuhören, was dein Inneres dich tun heißt. Eine solche Arbeit ist eigentliche Arbeit. Jeder anderen Arbeit, die aus Gedanken entstanden ist, fehlt die Eingebung, und sie ist keine künstlerische Arbeit. Auf künstlerische Arbeit reagiert man mit Gefühlen von Glück. Auf Gedankenarbeit reagiert man mit Gedanken. Es wird so viel über Kunst geschrieben, daß sie mit einer intellektuellen Beschäftigung verwechselt wird.
Man denkt gemeinhin, daß der Intellekt für alles verantwortlich ist, was wir tun und lassen. Man denkt gemeinhin, daß wir alles im Leben in Worte fassen können. Doch es gibt einen großen Bereich von Gefühlsreaktionen, die wir nicht in Worte fassen können.
Wir sind so an diese Gefühlsreaktionen gewöhnt, daß wir sie nicht bewußt erkennen, bis wir sie in Kunstwerken wiederfinden. In Wirklichkeit beherrscht unser Gefühlsleben unser intellektuelles Leben, doch wir merken es nicht.
Du mußt das Kunstwerk entdecken, das du liebst, und auf deine Reaktion ihm gegenüber achten. Du mußt besonders deine Reaktion gegenüber deinen eigenen Werken kennenlernen. So entdeckst du deine Ziele und die Wahrheit über dich selber.
Wenn du deine Reaktion auf deine eigenen Arbeiten nicht herausfindest, kommst du um die Belohnung. Du mußt das Werk betrachten und lernen, welche Gefühle es in dir hervorruft.
Wenn du kein Künstler bist, kannst du Entdeckungen bei dir selber machen, indem du deine Reaktion auf Kunstwerke, die du magst, kennenlernst. Frage dich selber:
»Welche Art von Glück empfinde ich bei dieser Musik oder bei jenem Bild?«
Es gibt ein Glück, das wir ohne jede materielle Anregung empfinden. Wir können morgens aufwachen und uns ganz ohne Grund glücklich fühlen. Abstrakte oder nicht auf Dinge bezogene Gefühlsregungen sind ein sehr wichtiger Teil unseres Lebens.
Persönliche Empfindungen und Sentimentalität sind Anti-Kunst. Wir machen Kunst als etwas, das wir tun müssen, ohne zu wissen, wie es herauskommt. Wenn es fertig ist, müssen wir sehen, ob es fruchtbar geworden ist. Auch wenn wir der Eingebung Folge leisten, können wir nicht erwarten, daß alle Arbeit gelingt. Ein Künstler ist jemand, der das Mißlungene erkennen kann...
Wir wurden eifrig gegen die Einsamkeit erzogen. Alleinsein wird als schmerzlicher und gefährlicher Zustand betrachtet. Deshalb bitte ich dich, dich bis in Einzelheiten an die Zeitpunkte zu erinnern, als du allein warst, und deine genaue Reaktion darauf zu entdecken.
Ich schlage Künstlern vor, jede Gelegenheit wahrzunehmen, allein zu sein; daß ihr es aufgebt, Schoßtiere und unnötige Begleiter um euch zu haben.
Ihr werdet herausfinden, daß die Angst, die uns gelehrt wurde, nicht eine Angst ist, sondern aus vielen verschiedenen Ängsten besteht.
Wenn du entdeckst, was sie sind, dann sind sie überwunden. Die meisten Leute waren nie genügend allein, um diese Ängste zu empfinden. Doch sogar ohne sie erfahren zu haben, fürchten sie sie.
Ich glaube, daß Leute, die gern allein sind, die allein vorangehen, vielleicht ernsthafte Arbeiter auf dem Gebiet der Kunst sein werden...
>Anfang
(Agnes Martin, Writings, Publikation anlässlich der Ausstellung:
Agnes Martin: Bilder und Arbeiten auf Papier, 1960 - 1989, 1992 Kunstmuseum Winterthur)
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